entspannt ankommen mit der bahn
25 Sep 2006letztens bin ich mal wieder mit dem zug gefahren. ich habe mir eine süddeutsche mitgenommen, um mich auf den aktuellen stand der zeit zu bringen. kaum im zug, packte ich sie dann auch sogleich aus und begann in ruhe zu lesen.
doch bereits am hamburger hauptbahnhof wurde es lebhafter im großraumwagen. zunächst schob sich eine etwa 100 kilo schwere frau mit einem ebenso schweren rucksack durch den gang sowie mehrere ältere damen, die nach ihren reservierten sitzplätzen suchten. die dicke frau versuchte den nicht nur wie sie so schweren, sondern auch mindestens so dicken ruckdack, in die gepäckablage zu drücken. der passte aber nicht. auch nicht, als noch zwei weitere personen ebenfalls daran rumdrückten. also unterließ sie den versuch und platzierte das monstrum erstmal auf ihrem sitz, um noch weiteres gepäck und ihren mann nebst kinderwagen, der selbst im zusammengeklappten zustand so groß wie ein kleinwagen war, und dazugehörigem kind, zu holen. bei dieser familie war irgendwie alles dick.
ich wendete mich wieder meiner zeitung zu.
während die älteren damen mit ihren rollköfferchen sich so allmählig auf die sitze verteilten, wurde ich von einer asiatin angesprochen, die wild gestikulierend auf den freien fensterplatz neben mir deutete: “nobaddie sehr?” ich antwortete, dass ich nicht glaube, dass dort jemand sei, voraufhin sie zuerst ihren koffer über meine schuhe und anschließend sich über meine knie schob, um neben mir platz zunehmen. kaum, dass sie das getan hatte, fing sie an, in ihrer tasche herumzukramen und eine fahrkarte nebst vollständiger reiseroute (bis düsseldorf) ans tageslicht zu befördern. ich suchte gerade nach der stelle im text, an der ich unterbrochen wurde, als die asiatin sich entschlossen, nochmal aufzustehen und iregndwohin zu gehen - natürlich, indem sie sich über meine knie schob.
mittlerweile hatte die dicke familie die hälfte ihres gepäcks untergebracht. gerade, als ich meine zeitung wieder aufnehmen wollte, kam die asiatin mit einer weiteren tasche zurück, in der sie nun auch anfing herumzukramen.
dann fing das dicke kind an zu schreien.
ich überlegte ernsthaft, ob ich versuchen sollte in einem anderen wagen einen platz zu finden, wurde aber von der schaffnerin unterbrochen, die meine fahrkarte sehen wollte. die asiatin teilte uns mit, dass sie mit ihrer schwester, die ein paar sitzreihen weiter saß, nach düsseldorf fahre.
schließlich hatte die dicke familie ihr gepäck vollständig untergebracht und - mit hilfe der schaffnerin - auch einen einstellplatz für den kleinwagen gefunden.
meine asiatische sitznachbarin stellte sich alle paar minuten auf, um über die rückenlehne ihres vordersitzes nach ihrer schwester zu sehen. wahrscheinlich ist es schwer für asiaten, wenn sie allein und so weit weg von ihrer eigenen sippe sind, so dass sie wenigstens ständig blickkontakt halten müssen. da das stehen aber scheinbar unbequem war, setzte sie sich nach kurzer zeit immer wieder hin, um dann halb zu mir herübergelehnt wenigstens zwischen den sitzen durchgucken zu können.
ich versuchte mich auf meinen zeitungsartikel zu konzentrieren.
die asiatin musste mir aber noch erzählen, dass sie aufgrund eines fehlers nur einen sitzplatz reserviert habe, obwohl sie doch mit ihrer schwester reise und dass sie froh sei diesen sitzplatz zu haben. ich fragte mich jedoch, warum sie dann nicht darauf sitzen blieb?
hinter mir begann eine frau sich darüber auszulassen, dass das dicke kind nur schreie, weil die mutter ihm mit so ner scheiß fahne im gesicht rumwedele (es handelte sich um eine st.pauli-fahne mit totenkopf auf schwarzem grund und gekreuzten knochen darunter). der vater jedoch meinte, das kind sei nur müde und das alles habe mit der fahne nix zu tun. darauf hin holte er den kleinwagen und baute diesen wieder auf.
wahrscheinlich hat das kind nur geschriehen, weil es ihm auf den armen seiner dicken eltern einfach viel zu eng war und es in seinen geräumigen kleinwagen wollte. kann ich gut verstehen.
ich wendete mich wieder meinem artikel zu. dabei stellte ich fest, dass mich “der papst in bayern” gar nicht interessierte. mir fiel ein, dass ich ja meinen mp3-player dabei hatte. wenig später schloss ich meine augen und ließ mich in alison moyets wunderbare stimme sinken. bahnfahren kann so entspannend sein!








